GayCrew – weiß-pinker Schriftzug mit leuchtendem Stern

Wir lieben Schlager und Männer

Suche

GAYCREW / BEITRAG

Tugay Saraç: 10.000-Euro-Versöhnungspreis für schwulen Muslim

KI-Symbolillustration zu queerer Sichtbarkeit und Zusammenhalt, ohne Darstellung von Tugay Saraç

Bildhinweis: KI-generierte GayCrew-Symbolillustration aus unserem Bildarchiv. Das Bild zeigt weder Tugay Saraç noch die Preisverleihung.

Ein schwuler Muslim, der an Schulen über Vorurteile, Glauben und queeres Leben spricht, erhält eine besondere Auszeichnung: Tugay Saraç bekommt den Versöhnungspreis 2026 der Klaus Jensen Stiftung. Die mit 10.000 Euro dotierte Ehrung soll am 26. November in Trier verliehen werden. Die Nachricht wurde am 28. Oktober bekannt. Hinter dem Preis steht eine Geschichte über Selbstakzeptanz, Präventionsarbeit und die Frage, wie Menschen miteinander ins Gespräch kommen können, statt einander auszugrenzen.

Tugay Saraç: Versöhnungspreis 2026 für einen queeren Brückenbauer

Der 29-jährige Berliner ist Projektleiter der Anlaufstelle „Islam & Diversity“ im Umfeld der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur würdigt die Klaus Jensen Stiftung sein Engagement für Gewaltprävention, Dialog und gesellschaftliche Verständigung. Stiftungsgründer Klaus Jensen hebt dabei hervor, dass Saraç in seiner Bildungsarbeit auf persönliche Begegnungen und eigene Erfahrungen setzt.

Der am 28. Oktober veröffentlichte dpa-Bericht nennt den 26. November als Datum der Preisverleihung in Trier. Das ist eine angekündigte Ehrung, kein bereits abgeschlossener Festakt. Ein öffentlicher Einlass, eine Uhrzeit oder ein Ticketverkauf sind nicht belegt. Deshalb machen wir daraus bewusst keinen vermeintlichen Veranstaltungstipp.

Schule statt Schlagabtausch: Was Saraç in der Prävention macht

Wenn Tugay Saraç in Schulen mit Jugendlichen und Lehrkräften spricht, geht es nicht ausschließlich um Homosexualität. Auch Antisemitismus, Islamismus und gesellschaftliche Ausgrenzung gehören zu den Themen seiner Arbeit. Die Verbindung ist wichtig: Vorurteile entstehen nicht isoliert, und die Bereitschaft, andere Menschen abzuwerten, kann sich gegen ganz unterschiedliche Gruppen richten.

Nach Darstellung der Stiftung versucht Saraç, solche Muster durch Gespräche und nachvollziehbare persönliche Erfahrungen aufzubrechen. Das bedeutet nicht, dass jede Begegnung automatisch einen Konflikt löst. Es beschreibt aber einen Ansatz, bei dem Jugendliche Fragen stellen können und Menschen nicht auf ein einziges Merkmal reduziert werden. Seine eigene Geschichte macht diese Bildungsarbeit für viele besonders greifbar.

Warum persönliche Geschichten in der Bildungsarbeit helfen können

Abstrakte Debatten über Religion, Sexualität oder Extremismus verlaufen schnell entlang fester Fronten. Wenn ein Betroffener schildert, wie sich innerer Druck und Ablehnung anfühlen, bekommt das Thema ein Gesicht. Gleichzeitig ist wichtig, dass eine einzelne Biografie nicht für alle Muslim:innen oder alle schwulen Männer steht. Saraç spricht aus seiner Erfahrung; andere queere Gläubige können ganz andere Wege gegangen sein.

Von Selbstablehnung zu Selbstbestimmung: Sein persönlicher Weg

Saraç hat öffentlich darüber gesprochen, dass er sich als Jugendlicher dem Salafismus zuwandte und seine eigene Homosexualität ablehnte. Nach seinen Angaben kehrte er der radikalen Szene 2017 den Rücken. Die Geschichte ist durch seine eigenen früheren Aussagen und aktuelle Berichte dokumentiert. Sie sollte trotzdem nicht zur simplen Erzählung vom „geläuterten Ex-Extremisten“ verkürzt werden.

Interessant ist vielmehr, was er aus diesen Erfahrungen macht. Heute setzt er sich dafür ein, dass junge Menschen nicht zwischen religiöser Zugehörigkeit und ihrer sexuellen Identität wählen müssen. Schon in einem 2018 veröffentlichten Interview sprach er über die Spannungen zwischen konservativen Glaubensvorstellungen, seinem Umfeld und seiner sexuellen Orientierung. Seine heutige Arbeit ist damit nicht nur eine politische Position, sondern auch persönlich motiviert.

„Liebe ist halal“: Eine Botschaft gegen das Entweder-oder

Mit „Liebe ist halal“ fasst Saraç einen zentralen Gedanken zusammen: Queere Identität und muslimischer Glaube müssen für Menschen, die beides leben möchten, kein Widerspruch sein. Das ist keine Aussage darüber, wie alle religiösen Gemeinschaften denken. Es ist eine Einladung, die Vielfalt muslimischer Lebensentwürfe anzuerkennen und queere Menschen nicht aus dem Glauben herauszudrängen.

In einem eigenen Gastbeitrag für die Siegessäule vom März 2025 schilderte Saraç, wie häufig queere Muslim:innen mit Angst, Scham und der Frage nach ihrer Zugehörigkeit kämpfen. Er ist außerdem Herausgeber eines Sammelbandes mit dem Titel „Liebe ist halal“. Gerade diese Perspektive macht deutlich, warum Sichtbarkeit mehr bedeutet als ein Regenbogenlogo: Es geht darum, Menschen Räume für ein selbstbestimmtes Leben zu eröffnen.

Islam & Diversity: Beratung, Austausch und Sichtbarkeit

Die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee beschreibt ihre Anlaufstelle als Ort, an dem queere Muslim:innen Unterstützung und Austausch finden sollen. Im Mittelpunkt stehen Beratung, Vernetzung und das Ziel, Ausgrenzung wegen der sexuellen Orientierung entgegenzutreten. Die Initiative richtet sich damit ausdrücklich an Menschen, die in religiösen oder familiären Zusammenhängen unter Druck geraten können.

Im März 2026 stellte die Organisation zudem eine Akzeptanzkampagne für Vielfalt im Islam vor. Zu ihren Motiven gehört auch ein schwules Paar. Saraç erklärte dort, dass muslimische Lebensrealitäten nicht auf ein einheitliches Bild reduziert werden dürften. Die Kampagne ist ein konkretes Beispiel dafür, wie seine Arbeit über Vorträge hinausgeht und öffentliche Sichtbarkeit schaffen will.

Was hinter dem 10.000-Euro-Versöhnungspreis steckt

Die Klaus Jensen Stiftung wurde 2003 gegründet und unterstützt Projekte zu Gewaltprävention, ziviler Konfliktbearbeitung und Versöhnung. Ihr Namensgeber war später Oberbürgermeister von Trier; Malu Dreyer gehört zu den Mitstifterinnen. Der Preis würdigt Menschen und Initiativen, die gesellschaftliche Verständigung praktisch voranbringen.

Die Auszeichnung für Saraç ist auf 10.000 Euro dotiert. Die Verleihung ist für Donnerstag, 26. November 2026, in Trier angekündigt. Eine öffentlich bestätigte Beginnzeit liegt nicht vor. Der Preis ist damit eine aktuelle Nachricht über sein Engagement und kein Konzert, keine Party und auch kein öffentlich buchbarer GayCrew-Event.

Warum diese Ehrung auch für die queere Community in NRW wichtig ist

Die Geschichte spielt in Berlin und Trier, ihre Fragen stellen sich aber genauso in Dortmund, Essen, Köln oder Bochum. Wie können Schulen über Homosexualität sprechen, ohne Jugendliche bloßzustellen? Wo finden schwule Männer Unterstützung, wenn ihre Familie oder ihr religiöses Umfeld ihre Identität ablehnt? Und wie gelingt ein Dialog, der Unterschiede ernst nimmt, ohne Diskriminierung zu verharmlosen?

Auch in NRW ist die Frage nach sicheren Ansprechpersonen relevant. GayCrew hat bereits über die neue zentrale Ansprechstelle der NRW-Polizei für queere Menschen berichtet. Beide Themen sind unterschiedlich, zeigen aber, wie wichtig verlässliche Strukturen sind: in Schulen und Beratungsangeboten ebenso wie beim Schutz vor queerfeindlichen Übergriffen.

Unser Fazit: Die Auszeichnung von Tugay Saraç erzählt von einem schwulen Mann, der seine Erfahrungen nutzt, um anderen den Weg zu erleichtern. Dass dieses Engagement einen Versöhnungspreis erhält, ist eine Nachricht mit Signalwirkung. Sie erinnert daran, dass queeres Leben viele kulturelle, religiöse und persönliche Facetten hat – und dass Sichtbarkeit dort besonders viel bewirken kann, wo Menschen bislang kaum Gehör finden. Weitere Geschichten über queeres Leben in Deutschland findest Du in unseren GayCrew-News.

GAYCREW / TEILEN

Gefällt dir die Story? Teile sie!

Schick die Story an Freunde oder teile sie mit deiner Community.

GAYCREW / DISKUSSION

Sag uns deine Meinung!

Du hast etwas zu sagen? Schreib uns deinen Kommentar zum Artikel. Bitte bleib respektvoll und sachlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

✦ DEINE EVENTTIPPS

Wohin am Wochenende?

Entdecke Partys, Drag-Shows, CSDs & Kultur. Mit Datum, Stadtfilter und allen Details.

Eventkalender entdecken ↗

GAYCREW FANSHOP

Trag GayCrew!

Shirts, Hoodies und mehr mit unserem GayCrew-Logo. Unser Merch-Shop ist in Vorbereitung.

BALD VERFÜGBAR

GAYCREW MAGAZIN

Meistgelesen

WERBUNG

Platz für Partner und Anzeigen

FOLLOW GAYCREW

Bleib dabei!

Musik, Updates und Einblicke – direkt aus der GayCrew-Welt.

◎ Instagram ↗ f Facebook ↗ ▶ YouTube ↗

WERBUNG

Hier könnte deine Anzeige stehen