GAYCREW / BEITRAG

Queeres Filmfestival Hamburg 2026: Kino gegen das Vergessen

KI-generierte Illustration: GayCrew-Symbolillustration eines queeren Filmfestivals in einem Hamburger Kinosaal mit Regenbogenfahnen

Queeres Filmfestival Hamburg 2026: Seit dem 13. Oktober laufen in fünf Kinos der Hansestadt Filme, die Liebe, Identität, Geschichte und Widerstand aus ungewöhnlichen Perspektiven erzählen. Die 37. Ausgabe des Hamburg International Queer Film Festival steht unter dem Motto „Remember & Resist“ – und fragt, was die Community aus ihrer Vergangenheit für die Gegenwart lernen kann.

Noch bis Sonntag, 18. Oktober, treffen internationale Produktionen auf Gespräche, Begegnungen und gemeinsame Erinnerung. Für einen Blick auf das Programm lohnt es sich, genauer hinzusehen: Dieses Festival möchte weit mehr als nur Filme zeigen.

Queeres Filmfestival Hamburg 2026: GayCrew-Editorialillustration
KI-generierte Illustration. GayCrew-Editorialillustration, keine Originalaufnahme der Veranstaltung.

Fünf Kinos, sechs Tage und viele Perspektiven

Das Hamburg International Queer Film Festival gehört zu den traditionsreichsten queeren Filmveranstaltungen Deutschlands. Die 37. Ausgabe findet vom 13. bis 18. Oktober 2026 statt. Metropolis, Passage, 3001 Kino, B-Movie und Rineuto bilden diesmal die Spielstätten. Organisiert wird das Festival vom Verein Querbild mit großem ehrenamtlichem Engagement.

Die Eröffnung war am Dienstagabend mit einer Besonderheit verbunden: Statt wie gewohnt bei Kampnagel startete das Festival mit gestaffelten Vorführungen in drei Kinos. Damit konnten mehr Menschen den Eröffnungsfilm erleben, bevor sich das Publikum im Metropolis zur Feier traf. Wer jetzt dazukommen möchte, findet im offiziellen Online-Programm die Vorführungen der verbleibenden Tage.

Für das Publikum stehen unterschiedliche Genres und Erzählweisen bereit. Neben Spielfilmen gehören Dokumentationen, Kurzfilme und Diskussionen dazu. Entscheidend ist nicht, ob jeder Film die gleiche Botschaft formuliert, sondern dass vielfältige queere Perspektiven einen Platz auf der Leinwand bekommen.

„Remember & Resist“: Warum Erinnerung politisch ist

Das Motto „Remember & Resist“ verbindet zwei Gedanken: Menschen und Kämpfe nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und daraus Kraft für die Gegenwart zu schöpfen. Die Veranstalter erinnern ausdrücklich an Persönlichkeiten wie Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera, die sich für queere Sichtbarkeit und Rechte engagierten.

Ein Filmfestival kann solche Geschichten anders erzählen als eine bloße Chronologie historischer Daten. In Bildern, Gesprächen und persönlichen Erinnerungen entsteht Raum für Erfahrungen, die im gesellschaftlichen Gedächtnis häufig übersehen wurden. Dazu gehören Erfolge, Konflikte, Verletzungen und das gemeinsame Weiterleben trotz Widerständen.

Dabei soll Erinnerung nicht nur rückwärtsgewandt bleiben. Die zentrale Frage lautet, welche Handlungsmöglichkeiten sich aus vergangenen Erfahrungen für Menschen ergeben, deren Begegnungsorte oder kulturelle Angebote heute erneut unter Druck geraten. Das ist eine Perspektive, die über Hamburg hinaus relevant ist.

Der Eröffnungsfilm erzählt von Mut im Bergbau

Mit der Deutschlandpremiere von „Miss Carbón – Queen of Coal“ setzte das Festival zum Auftakt ein deutliches Zeichen. Der Film von Agustina Macri basiert auf der Lebensgeschichte von Carla „Carlita“ Rodríguez, die sich in einer von Männern geprägten Bergbauwelt behauptete. Verkörpert wird die Hauptfigur von Lux Pascal.

Die besondere Wahl des Eröffnungsfilms zeigt, wie breit queeres Kino inzwischen erzählt werden kann. Es geht nicht nur um Partnerschaften oder Coming-outs, sondern auch um Arbeit, Zugehörigkeit, Geschlechterbilder und die Frage, wer Zugang zu bestimmten Räumen erhält.

Regisseurin Agustina Macri und Schauspielerin Simone Mercado wurden für die Eröffnung als Gäste angekündigt. Für spätere Publikumsgespräche und Vorführungen gelten jeweils die Angaben im Festivalprogramm; wir behaupten keine spontanen Auftritte oder zusätzlichen Termine.

Am Bullenhuser Damm treffen Film und Gedenken aufeinander

Zu den besonderen Programmpunkten gehört ein Samstag mit kostenlosen Veranstaltungen an der Gedenkstätte Bullenhuser Damm. Der Ort erinnert an Verbrechen der NS-Zeit. Das Festival möchte dort queere Erinnerungskultur und solidarischen Austausch über unterschiedliche Communities hinweg zusammenbringen.

Vorgesehen sind unter anderem Führungen, ein Gespräch über queere Erinnerungsarbeit als Widerstand sowie weitere Begegnungsformate. Das Panel ist für Samstag, 17. Oktober, um 14:30 Uhr angekündigt. Der Eintritt zu diesen Programmpunkten ist laut Veranstaltern frei.

Die Wahl dieses Ortes verlangt einen respektvollen Umgang mit Geschichte. Das Festival stellt nicht unterschiedliche Erfahrungen unbesehen gleich, sondern lädt dazu ein, über Gedenken, Verantwortung und Möglichkeiten gemeinsamer Solidarität zu sprechen.

So findest du deinen passenden Festivalabend

Wer das Festival besuchen möchte, sollte das tagesaktuelle Programm auf der offiziellen Website prüfen. Dort stehen Filmzeiten, Spielstätten, Sprachfassungen, Untertitel sowie Hinweise auf Gebärdensprachdolmetschen. Auch Programmänderungen nach Druck der Broschüre werden dort dokumentiert.

Nicht jedes Format benötigt dieselbe Art von Eintritt. Einige Gesprächs- und Erinnerungsangebote sind kostenfrei, reguläre Kinovorstellungen können Tickets erfordern. Bei Workshops können zusätzliche Anmeldebedingungen gelten. Gerade bei begehrten Vorstellungen empfiehlt sich deshalb die Prüfung vor der Anfahrt.

Für alle, die nicht in Hamburg wohnen, lohnt sich der Blick dennoch: Das Festival verweist auf Werke und Perspektiven, die auch in anderen Kinos, bei weiteren Festivals oder später im Streaming auftauchen könnten. Ob und wann ein bestimmter Film dort verfügbar wird, muss aber jeweils separat geklärt werden.

Fazit: Queere Geschichten brauchen große Leinwände

Das queere Filmfestival in Hamburg schafft vom 13. bis 18. Oktober einen Raum, in dem persönliche Geschichten, historische Erinnerung und heutiges Community-Leben zusammenkommen. Sein Motto gibt den einzelnen Filmen keinen fertigen Sinn vor, eröffnet aber spannende Gespräche darüber, was Sichtbarkeit bedeutet.

Wer in dieser Woche in Hamburg ist, kann noch bis Sonntag Vorstellungen und Veranstaltungen besuchen. Für GayCrew ist die Geschichte zugleich ein Beispiel dafür, warum queere Kultur über die großen Metropolen hinaus Aufmerksamkeit verdient: Filme können verbinden, überraschen und Perspektiven verändern.

Quellen: Offizielles Festivalprogramm, HIQFF-Spielplan, Stadt Hamburg – Festivalübersicht. Weitere Berichte bei GayCrew News.

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