Florian David Fitz bei der NDR Talk Show am 13. Oktober 2023 (Archivfoto). Foto: Stefan Brending, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons. Werk: „2023 NDR-Talk-Show – Florian David Fitz – by 2eight – 9SC5463.jpg“. Für GayCrew verkleinert und in WebP umgewandelt; Bild weiterhin unter CC BY-SA 3.0 DE.
Die Wahrheit ist raus. Aber sind die Freunde noch dieselben? Florian David Fitz spielt in „Der perfekte Urlaub“ einen Mann, dessen Coming-out längst ausgesprochen ist – und der sich trotzdem erst zurechtfinden muss. Pepe wünscht sich Rückhalt von seinen Hetero-Kumpels. Für GayCrew liegt genau darin der spannende Anlass, über Männerfreundschaft zu sprechen: Was bedeutet Akzeptanz, wenn aus einem guten Vorsatz Alltag werden soll?
Die Komödie läuft seit dem 22. Oktober 2026 in den deutschen Kinos. Wir nehmen die offiziell angekündigte Geschichte zum Ausgangspunkt für eine Frage, die über die Leinwand hinausgeht. Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung zur Filmhandlung, keine Filmkritik.
Florian David Fitz spielt Pepe: Das Coming-out ist erst der Anfang
Nach „Das perfekte Geheimnis“ schickt Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin die bekannte Clique nach Mallorca. Der geplante Männerurlaub gerät durcheinander; schließlich strandet die Gruppe nach einem Brand in einem Ferienclub. Zwischen alten Konflikten und neuen Geheimnissen sucht der frisch geoutete Pepe Unterstützung. So beschreibt es Constantin Film auf der offiziellen Filmseite.
Neben Florian David Fitz gehören unter anderem Elyas M’Barek, Frederick Lau, Wotan Wilke Möhring, Karoline Herfurth, Jessica Schwarz und Jella Haase zum Ensemble. Für unsere Perspektive ist allerdings weniger entscheidend, wie prominent die Besetzung ist. Interessant ist die Ausgangslage einer Figur, die nach einer persönlichen Offenbarung weiter Teil ihrer vertrauten Gruppe sein möchte.
Wenn „Für mich ändert sich nichts“ nicht die ganze Antwort ist
„Für mich ändert sich nichts“ kann nach einem Coming-out ein liebevoller Satz sein. Er kann ausdrücken: Du gehörst zu mir, unsere gemeinsame Geschichte bleibt. Trotzdem beantwortet er noch nicht jede Frage. Kann ich künftig ebenso selbstverständlich von einem Mann erzählen, den ich attraktiv finde? Ist mein nächstes Date ein normales Gesprächsthema? Wird mein Partner später genauso eingeladen wie die Partnerinnen der anderen?
An solchen kleinen Situationen lässt sich unsere Vorstellung von gelebter Akzeptanz festmachen. Wer zuhört, nachfragt und einen neuen Partner selbstverständlich mitdenkt, gibt einer Freundschaft Raum. Dafür braucht es keine perfekte Rede. Oft reicht ein ehrliches Interesse, das nicht verschwindet, sobald das erste Gespräch vorbei ist.
Umgekehrt muss ein schwuler Mann seinen Freunden nicht jede Unsicherheit abnehmen. Er darf sagen, wenn ein Spruch verletzt. Er darf Nähe suchen und gleichzeitig Grenzen setzen. Freundschaft gewinnt, wenn beide Seiten Verantwortung dafür übernehmen, wie sie miteinander umgehen.
Männerfreundschaft braucht Platz für Verletzlichkeit
Ein gemeinsamer Urlaub ist für diese Fragen eine reizvolle Kulisse. Man verbringt Zeit miteinander, kann sich schwerer ausweichen und bringt Erwartungen mit. Einer möchte feiern, einer seine Beziehung retten, ein anderer endlich ehrlich sein. Dass Menschen zur selben Clique gehören, bedeutet schließlich nicht, dass sie gerade dasselbe brauchen.
Wir finden: Gerade Männerfreundschaften dürfen mehr zeigen als Schlagfertigkeit und gemeinsame Abenteuer. Es muss möglich sein, Unsicherheit auszusprechen, ohne sofort einen Witz darüber zu hören. Ebenso darf ein Freund zugeben, dass er etwas noch nicht verstanden hat. Entscheidend ist, ob daraus ein Gespräch entsteht und ob sich anschließend auch etwas im Verhalten bewegt.
Pepes angekündigte Suche nach Rückhalt bietet dafür einen Anknüpfungspunkt. Wie überzeugend der fertige Film diese Möglichkeit nutzt, lässt sich aus einer Inhaltsbeschreibung allein nicht beurteilen. Die Frage selbst verdient aber Aufmerksamkeit: Wem können wir uns zumuten, wenn wir gerade keine souveräne Version von uns sind?
Schwule Sichtbarkeit darf über die Enthüllung hinausgehen
Als redaktioneller Maßstab ist uns wichtig, was eine schwule Figur nach ihrem Coming-out erzählen darf. Hat sie eigene Wünsche? Darf sie widersprüchlich, begehrenswert, lustig oder auch anstrengend sein? Bekommt sie Beziehungen, die über die Reaktionen anderer hinausreichen? Eine Figur wird für uns dann interessant, wenn sie mehr mitbringt als den Moment ihrer Offenbarung.
Diesen Blick nehmen wir auch bei anderen Geschichten ein. In unserem Beitrag über Nicks bisexuelles Coming-out bei „Alles was zählt“ geht es ebenfalls darum, wie ein persönliches Gespräch im vertrauten Umfeld aufgenommen wird. Unterschiedliche Formate können Anlass sein, über dieselben alltäglichen Wünsche nach Nähe und Zugehörigkeit nachzudenken.
Der offizielle Trailer zu „Der perfekte Urlaub“
Der Trailer gibt dir einen Eindruck von Ensemble, Urlaubschaos und Ton der Komödie. Er stammt vom offiziellen YouTube-Kanal des Verleihs.
Das solltest du zum Kinofilm wissen
Kinostart: 22. Oktober 2026 · Genre: Komödie · Regie und Drehbuch: Bora Dagtekin · Laufzeit: 117 Minuten · Freigabe: FSK 12 · Verleih: Constantin Film. Spielzeiten findest du bei deinem Kino; einen Einstieg bietet die verlinkte offizielle Filmseite.
Unsere Frage nach dem Abspann
Vielleicht ist die spannendste Frage an eine Männerfreundschaft diese: Können wir uns verändern und trotzdem verbunden bleiben? Wer sich outet, erfindet nicht zwangsläufig einen neuen Menschen. Er zeigt womöglich einen Teil von sich, für den bisher zu wenig Platz war. Gute Freunde müssen diesen Weg nicht vorgeben. Aber sie können ihn mitgehen.
Genau deshalb nehmen wir Florian David Fitz und seine Rolle als Pepe in den Fokus. Die Filmgeschichte liefert den aktuellen Anlass; das Gespräch über ehrliche Freundschaft bleibt auch danach relevant. Was hat dir nach deinem Coming-out am meisten geholfen – ein Satz, eine Einladung oder einfach jemand, der geblieben ist?
Stand: 29. Oktober 2026. Filmangaben: Constantin Film und filmportal.de. Die Überlegungen zu Freundschaft und Sichtbarkeit sind die redaktionelle Perspektive von GayCrew.
